42 — die Antwort auf alle Fragen

sabine als zweiundvierzig So auch diesmal. Welche Startnummer? Die 42. Wieviele Runden richtig »rund« gelaufen? 42. So bewahrheitest sich mal wieder: 42 - die Antwort auf alle Fragen.

Nun aber mal von vorne: die Anreise über Berndorf (Besuch bei Mutti) sehr lohnenswert, nicht nur kulinarisch, wie vielleicht einige vermuten, sondern auch den Rotwein betreffend ;-) Letzteres soll schonmal mit dem latenten Trainings- und Schlafdefizit der letzten Wochen und dem schlecht kalkulierten Abstand zwischen LüHa und Rotenburg von nur drei Wochen Ausrede genug sein für eine nicht ganz durchgestandene Veranstaltung. Die ansonsten aber allem Unwetter zum Trotz genial war. Das begann schon mit dem »geselligen Beisammensein« unter Steppenhühnern am Vorabend, was im besten Sinne dieser Redewendung zu verstehen ist, und setzte sich bei einem gut gelaunten Frühstück (gibt's sowas?) fort. Dazwischen lag allerdings eine sehr stürmische Nacht…

die strecke am morgen nach dem sturm Die Nacht im »Eulennest« unterm Dach der Rotenburger Jugendherberge mit Blick auf die Laufstrecke sollte eigentlich wenigstens das Schlafdefizit ausgleichen helfen. Die Bedingungen dazu waren auch traumhaft: ein Einzelzimmer! Nachdem ich die Zimmernachbarn in Zimmerlautstärke um gedämpftere Unterhaltung gebeten hatte, was sie offenbar problemlos verstehen konnten und freundlicherweise sogleich in die Tat umsetzten, fiel ich in tiefen Schlummer, aus dem mich aber Sturmtief »Oralie« gegen 2 Uhr dann nachdrücklich weckte. Musste ich zuvor schon das Dachfenster geschlossen halten, um meine Bettstatt nicht in eine Dusche verwandelt zu sehen, ließen mich die Böen jetzt durch ungemein lautes Heulen und Klappern bis weit nach 3 Uhr nicht mehr in den Schlaf finden. Aber nicht so schlimm, sagte ich mir: entspannt dazuliegen ist auch Erholung! Und der Blick morgens aus dem Fenster zeigte zumindest keine umgestürzten Bäume.

abgerechnet wird zum schlussAm Sonntagmorgen fühlte ich mich daher ganz gelassen: »Abgerechnet wird zum Schluss«, dachte ich mir noch auf dem Weg zurück vom Frühstück beim Anblick der Dekoration im Treppenhaus der Jugendherberge. Alles ganz entspannt also. Ich braute mir einen Pfefferminztee, der neben Wasser, Cola und den unverzichtbaren TUC-Cräckern meine Verpflegung während des Wettkampfes sein sollte, und brachte alles zum letztmöglichen Zeitpunkt auf die Wettkampfstrecke in den angrenzenden Park. Die ständigen Schauer ließen viele vor dem Gang nach draußen zurückscheuen und wir alle schauten diejenigen genau an, die gerade wieder ins Haus kamen: Wie nass wirken die? — um so auf die aktuelle Wetterlage zu schließen. So gegen zehn vor zehn half aber alles nichts mehr: raus ging's, um uns schnell noch unseren Zählern vorzustellen. Die saßen zwar wohl überdacht, aber trotzdem ziemlich in der Kälte, z.T. in Wolldecken eingepackt — brr! Dann doch lieber laufen… Ein freudiges Wiedersehen: meine Runden würde wie im letzten Jahr Gerhard zählen :-)

sabine im rückwärtsgangDie ersten 15 Runden liefen dann auch ganz gemütlich wie geplant. Gudrun gab das Tempo vor, kniebedingt immer knapp unter 6min/km, und in unserer Vierergruppe bemühten wir uns, den Führenden auf den nicht allzu breiten Parkwegen rechtzeitig Platz zu machen. Einige der Superschnellen wollten offenbar die Hölle versuchen, um uns eine wärmere Atmosphäre zu verschaffen. Schön auch, dass ich schon zu Beginn meine Regenjacke und -kappe in meinen Verpflegungskorb werfen konnte, weil direkt mit der Startsirene der aktuelle Schauer vorüber war. Richtig stabil zeigte sich das Wetter aber dann doch nicht: immer wieder Schauer und Nicht-Schauer im Wechsel, später auch Graupelschauer und Sonnenschein im Wechsel, noch später dann auch Graupel und Sonne gleichzeitig — letzteres aber erst, als die Windböen auch wieder an Kraft gewannen.

frau werwolf voll konzentriert Nach knapp zwei Stunden und dem ersten TUC-Cola-Stopp fühlte ich mich immer noch sehr gut und erhöhte entsprechend meiner Marschtabelle das Tempo, was sich auch gleich viel geschmeidiger und runder anfühlte. So sollte das nun weiterrollen, stellte ich mir vor. Und so rollte es auch weiter durch Sonne und Regen und Graupel und Wind und Regen und Sturm und — hatten wir nicht auch im letzten Jahr schon Narzissen hier? die wichtigste helferaufgabe Und kam da nicht auch die Sonne raus? Und gab es da nicht auch genau diese Gegenwindpassage entlang der Narzissen? Ja schon, nur war es da etwas stetiger, das Wetter, wie auch ich selber letztes Jahr stetiger war als dieses. Was war passiert?

Nach nunmehr 42 Runden (à 1145 Metern), es war wieder einmal ein kleiner Verpflegungsstopp notwendig, denn die Energie ging langsam doch Richtung Reserve, gab es einen Knacks. Mein linkes Bein wollte nicht mehr. Dann wollte ich nicht mehr. Wie das? Beim Wiederanlaufen nach dem Stopp gab es einen hässlichen Stich entlang der Seite von unterhalb des Knies bis in die Hüfte. Links lahmte. Rechts war in Ordnung. Links wirkte mechanisch hakelig, nicht synchronisierbar,,, nicht mit rechts, nicht mit dem Kopf. Nun gut: gehen, dehnen, stretchen. Links zeigt mir nen Vogel: bloß weil Du meinst, ich soll laufen, tu ich das noch lange nicht. Ach so? Hmm. Nochmal versuchen für eine Runde. Ganz bitter: vorbei an einem begeisterten Zuschauer, der mich schon im letzten Jahr gesehen hatte, so viel nette Worte damals wie heute für mich übrig hatte — o weh: heute gebe ich die sterbende Gazelle… Noch eine Runde Versuch und dann das Eingeständnis: ich laufe nicht mehr, ich geh-humpele durch die Gegend, und wenn ich so weitermache, frisst sich irgendetwas in mein Bein. Nein. Das Aus nach 42 runden plus drei unrunden Runden. Macht immerhin gut 51 Kilometer in 4:52, gut genug für einen Trainingslauf.

volkers letzte rundeNachdem ich mich nun so viel schneller am Ziel bin als viele andere, kann ich noch Impressionen der letzten Runden im Wettbewerb sammeln. Frau Werwolf, Gabi, hilft nach ihrer 3-Stunden-Zählschicht auch noch mit den Fähnchen für die letzte Runde. Hier bekommt der Marathonmann Volker gerade seines in die Hand gedrückt. Für alle, die mit 6-Stunden-Läufen nicht vertraut sind: die Fähnchen werden den Läufern in ihrer voraussichtlich letzten Runde mitgegeben, damit sie sie diese beim Schluss-Signal an Ort und Stelle in den Boden rammen können (sofern sie noch »rammen« können). Alle Meter, die sie über eine volle Runde hinaus gelaufen sind, werden dann vermessen und zählen so noch mit für's Gesamtergebnis. manfred gibt gas Manche Läufer laufen zum Schluss aber auch so beflügelt, dass sie das Fähnchen mehr als eine Runde mit sich herumschleppen müssen.

Und irgendwie sind dann alle am Schluss fertig — so oder so. Und am Schluss von Harald Heydes liebevoll organisierten 6-Stunden-Lauf scheint immer die Sonne. Und ich zumindest weiß: der Selbstversuch »mit weniger auch ins Ziel« ist gescheitert. Das Rennen aus etwas objektiverer Warte schildert Gabi beim Laufreport.

(freufreu)

hat's bis zur bank geschafft Nachbemerkung I: Inzwischen habe ich mich ein wenig umgetan, was mich denn da aus dem Rennen geworfen haben mag. Offenbar handelt es sich um ein Problem entlang des Tractus iliotibialis, was sich bei mir nicht an einer Stelle (Knie, Hüfte), sondern im ganzen Bereich bemerkbar machte und dann rasch zu allgemeinen muskulären Problemen im Oberschenkel führte. Die Ursache erscheint mir klar: zu wenige Trainingskilometer in den letzten Wochen und sicherlich ein viel zu kurzer Abstand zu den 75 Kilometern LüHa. Dass nun ein anderer Bereich als meine klassische »Achillesferse« betroffen ist, deutet für mich außerdem darauf hin, dass sich mein Bewegungsapparat, insbes. die Orthopädie im Fußbereich, gerade mal wieder umbaut. Wär ja auch langweilig sonst :D

Nachbemerkung II: Das Eingangsfoto zu diesem Artikel ist © Manfred Iser, das mit Sabine im Rückwärtsgang © Volker Heißenbüttel. Ich frage mich, wie es möglich ist, dass bei solchen Witterungsbedingungen fast nur Schönwetterfotos herauskommen?
(hmpf) Fotografen sind wetterfühlig!

Ja, liebe Sabine, da poste ich nun hier bei dir, noch bevor ich meinen eigenen Bericht geschrieben habe. Nun gut, ich habe morgen noch frei und da kann ich mich dann hinreichend journalistisch betätigen. Es mag dir nur ein schwacher Trost sein, aber das mit den zu wenigen Vorbereitungs-km hatte ich ja nun auch (nicht schmerzlich) am eigenen Körper erfahren dürfen. Wenngleich mich auch keine physischen Probleme zur Aufgabe zwangen, so hätte dies zumindest beinahe der Kopf, will sagen die Motivation, geschafft. Aber für dich wie für mich gilt, alles einfach unter Erfahrung abheften – wie kämen wir denn ohne solche negativen weiter?

Wermutstropfen dieser so schönen Veranstaltung: Ich musste über eine Stunde ohne dich auf der Strecke verbringen! (grins)

Ich wünsche dir eine schnelle Genesung und hoffe, dass du bald wieder alle Kröten, Schmetterlinge und was weiß ich für nette Geschöpfe beim Laufen beobachten und für uns festhalten kannst.

Manfred
Manfred () (URL) - 22.03.04 - 22:46


Jepp, da kann ich mich Manfred nur anschliessen, auch ich wünsche dir gute Besserung und hoffe, dass du bald wieder laufen kannst. Was würden wir denn sonst ohne deine wunderschönen Berichte machen? (grins)
Oszedo () (URL) - 23.03.04 - 00:13


Hi Sabine

ich wünsch Dir auch erst einmal gute Besserung – solche Sachen können immer sehr unangenehm sein.

Und du mußt den Wettkampf einfach als Generalprobe für den Rennsteig sehen, da die verpatzte Generalprobe ja immer einen super Hauptwettkampf verspricht.

Liebe Grüße
Florian
Florian () (URL) - 23.03.04 - 00:45


hallo Sabine,

“aus etwas objektiverer Sicht” ist richtig.. äh… (grins) nett.. so richtig objektiv kann ich nämlich beim Waldhessenlauf auch nicht sein, die Veranstaltung ist einfach richtig klasse und so liebevoll. Ich fand, “Familientreffen” trifft’s, oder?!

Jedenfalls wünsche natürlich auch ich Dir und Deiner Orthopädie baldiges Wiederzusammenpassen – schließlich ruft in 2 Wochen die Dt. Weinstraße nach uns, gelle?!

Ach ja.. und kannst Du mir das obere Fähnchenbild (also das ohne Volker) mal im Original mailen? thx a lot!

Viele Grüße in die Runde

Gabi
Frau Werwolf () (URL) - 23.03.04 - 06:03


Hallo Sabine,

ich wünsch Dir auch gute und rasche Besserung. War auf jeden Fall die richtige Entscheidung aufzuhören, auch wenn es natürlich schade ist und sicher nicht leicht fällt.

Ich hoffe auch, dass es Dir bis zum Weinstraßen-Marathon gelingt, wieder fit zu werden.

Liebe Grüße
Bärbel
Bärbel () - 23.03.04 - 06:52


Respekt vor Deiner Entscheidung, liebe Sabine!
Ich bin mir da bei mir sehr unsicher, ob ich in solcher Situation auch so klug handeln würde.
Deiner Analyse der fehlenden Trainingskilometer würde ich ebenfalls zustimmen (ich hatte diesbez. ja schon mal etwas ‘bohrend’ nachgefragt ;-) ). Noch hast Du genügend Zeit bis zum Rennsteig. Ich vermute aber mal, daß Dir die Kilometer nicht nur wg. gesundheitlicher Probs fehlen, sondern Du auch arbeitsmäßig sicher stärker eingebunden bist und so am ausreichenden Training gehindert wurdest und wirst.
Komm erst mal mit Deinen orthopädischen Problemen ‘auf die Reihe’ (wird sicher ne Weile dauern) und setze je nach Erkenntnissen eventuell die Ziele für den Rennsteig neu. Wichtig ist doch, sich die Lust am Laufen zu bewahren. Und beschwerdefrei geht das allemal besser :-). Vielleicht kennst Du ja einen guten Osteopathen in der näheren Umgebung, der sich mal um die o.g. Problemzone kümmert. Ich wünsche Dir schnelle Besserung und wiederhole noch einmal: Alle Achtung vor Deiner Entscheidung!

Ciao Jürgen
Jürgen - 23.03.04 - 10:25


hallo Sabine, auch ich wünsche Dir baldige “Genesung”. Wenn wir jetzt alle positive Gedankenstrahlen zu Dir schicken – und das tun wir -, hat der Orthopäde oder Osteopathe bestimmt nicht mehr viel zu tun. Beim Weinstraßenmarathon läßt sich dann zusätzlich der Riesling zur Therapie einsetzen.
Eigentlich wollen wir doch alle möglichst beschwerdefrei das Laufen genießen, doch leider muckt halt unser Körper ab und zu doch auf. Zum Glück regeniert sich so manches auch wieder von alleine. Also immer Hoffnung haben.

Gruß Heinz
Heinz () - 23.03.04 - 12:21


Hallo Sabine,

ich drück’ dir ganz fest die Daumen, dass du dich ganz schnell wieder wohl fühlst. Ich glaube, dass es jeden frustriert, an seinem Hobby gehindert zu sein und kann gut nachfühlen, dass der Trost, es gäbe viel Schlimmeres, eigentlich keiner ist. Hoffentlich hat sich die Vernunft (das Bein) noch rechtzeitig genug durchgesetzt. Sie (es) hat ja rundenlang kämpfen müssen. Ich hoffe, mit nicht zu drastischen und langfristigen Konsequenzen.

Nochmals alles Gute und herzlichen Dank für den tollen Bericht.

Klaus
Klaus () - 23.03.04 - 14:28


Hallo Sabine!

Auch an dieser Stelle nochmal gute Besserung.
Und Gratulation zum, hoffentlich noch rechtzeitigen, Aufhören und für den sehr schönen Bericht.

Mit freundlichen Grüßen,
Volker
marathonmann () - 23.03.04 - 19:49


Wie doch Fotos einen Bericht widerlegen und die Wahrheit ans Licht bringen können! Schauer? Ja, ja – im Zweifel war das Wetter immer fürchterlich. Ich sehe nur Sonnenschein und ausgelassen heitere Läufer. ;-)

Wenngleich der Bericht bezüglich seiner Wetterdarstellung als widerlegt gelten muss, gefällt er mir doch sehr. Das mit dem Verletzungspech tut mir schrecklich leid. Ich wünsche schnelle Genesung und verweise auf die Fotos: auf Regen (angeblich) folgt Sonnenschein!

Viele Grüße
Christian
Christian (URL) - 23.03.04 - 20:05


Dank Euch allen für die guten Wünsche! :-)

Der Marathonmann hat es prägnant auf den Punkt gebracht: ”...Gratulation zum, hoffentlich noch rechtzeitigen, Aufhören…”

Ich denke, das ist mir gelungen—war ja auch Sinn des Abbruchs. Heute merke ich so gut wie nichts mehr. Und ab sofort werde ich ein besserer Mensch! Werd wieder ordentlich trainieren und kräftigen und dehnen usw. usf.

Sabine (freufreu)
Sabine () - 23.03.04 - 20:17


Liebe Sabine!

Ich drücke dir die Daumen, dass es ganz schnell wieder besser wird und nichts ernstes ist.
Bitte bitte, werd gesund.
Lieben Gruß
Bine
Sabine (summsumm) - 23.03.04 - 20:27